Bürgerfunk FAQ

Bürgerfunk ...

was Sie schon immer wissen wollten!


Was ist Bürgerfunk?

Mit dem Start von "Radio Duisburg" am 1.4.1990 nahm in Nordrhein-Westfalen eine ganz neue Form der Partizipation an elektronischen Medien ihren Anfang. In allen 45 Verbreitungsgebieten sind die kommerziellen Lokalradios dazu verpflichtet, Zeit für selbst produzierte Programmbeiträge von Bürgergruppen bereitstellen. Diese freie Sendefläche wird als Bürgerfunk bezeichnet. Die Gruppen, die diese Mitmach-Chance nutzen, sind für Form und Inhalt ihrer Sendungen selbst verantwortlich. In der Regel ist der Bürgerfunk im Lokalprogramm zwischen 20 und 21 Uhr (Sonn- und Feiertags zwischen 19 und 20 Uhr) zu hören.

Das Bürgerfunkprogramm selbst orientiert sich dabei an folgenden Rahmenbedingungen:

Der Bürgerfunk im lokalen Hörfunk dient dazu, das lokale Informationsangebot zu ergänzen und den Erwerb von Medienkompetenz zu ermöglichen und damit auch zur gesellschaftlichen Meinungsbildung beizutragen.


Was hat sich verändert?

Mit dem Landesmediengesetz (LMG NW) vom 5.6.2007 hat die CDU/FDP-Landesregierung den Bürgerfunk stark beschnitten. Die Sendedauer wurde auf täglich höchstens 60 Minuten abzüglich der Zeiten für Nachrichten, Wetter, Verkehrsmeldungen und Werbung begrenzt. Weiterhin wurde festgelegt, dass nur in deutscher Sprache gesendet werden darf und alle Bürgerfunkprogramme einen lokalen Bezug aufweisen müssen. Die bisherige Sendeminuten-Förderung wurde auf Projektförderung umgestellt, die Förderung durch die Betreiber der Lokalradios (Produktionshilfeverpflichtung) ganz gestrichen. Trotzdem soll der Bürgerfunk im lokalen Hörfunk dazu dienen, das lokale Informationsangebot zu ergänzen. Die Sendezeit ist 2014 in der Novelle des LMG auf 20 bis 21 Uhr an Werktagen festgelegt worden; nur an Sonn- und Feiertagen ist eine Zeit zwischen 19 und 21 Uhr möglich.


Wer kann Bürgerfunk machen?

Prinzipiell können immer noch alle Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens den Bürgerfunk nutzen und dort ihre selbst gestalteten Beitrage ausstrahlen lassen. Eine Bürgerfunkgruppe muss mindestens drei Personen umfassen. Gruppen, die sich beteiligen wollen, müssen keine besondere Organisationsform haben. Zwei wichtige Bedingungen für die Mitwirkung am Programm sind, dass die Mitglieder der Gruppen voll geschäftsfähig sind und im Sendegebiet des Lokalradios wohnen. Ausgeschlossen von der Programmproduktion sind Gruppen, die wirtschaftliche Zwecke verfolgen, Parteien und Wählergruppen; Kirchen und juristische Personen des öffentlichen Lebens. Voraussetzung für die Teilnahme am Bürgerfunk ist der Nachweis einer "geeigneten Qualifizierung", die mit einem Zertifikat bescheinigt wird. Der Allgemeine Rundfunkverein Dortmund e.V. bietet diese Einsteigerkurse an. Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an uns.


Wer sendet im Bürgerfunk?

Obwohl unter den neuen Bedingungen viele Gruppen, vor allem wegen der hörerschwachen Sendezeiten, ihre ehrenamtliche Arbeit eingestellt haben, ist die Produzentenschar des Bürgerfunks immer noch sehr breit gefächert und setzt sich aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammen. Kinder und Senioren, Kirchen- und Gewerkschaftsgruppen, politisch Aktive unterschiedlichster Coleur, Theater- und Musikgruppen, Umweltverbände, Frauengruppen und viele mehr nutzen das Angebot und beteiligen sich direkt an der lokalen Kommunikation.



Was kann und darf gesendet werden?

Die Programmbeiträge müssen von den Gruppen selbst hergestellt und gestaltet werden und müssen ausschließlich für die Ausstrahlung im Verbreitungsgebiet oder in einem Teil davon bestimmt sein. Die Beiträge dürfen keine Werbung enthalten und nicht gegen geltende Gesetze verstoßen. Die Verantwortlichen des Lokalsenders überprüfen die Beiträge auf Einhaltung dieser Vorgaben. Bei Verstößen kann die Ausstrahlung verweigert werden. Bewerten die Bürgerfunkgruppe und der Lokalsender den Beitrag unterschiedlich, entscheidet die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) darüber, ob die Ablehnung gerechtfertigt ist.


Welche Themen finden sich im Programm?

Entsprechend vielfältig wie der Kreis der Produzenten/innen sind die Themen, die im Bürgerfunk präsentiert werden und über die im Programm berichtet wird. Gruppierungen und Vereine widmen sich in Magazinsendungen Einzelthemen und Aspekten ihrer Arbeit. Lokale Projekte und Initiativen aus Kultur und Bildung werden exemplarisch vorgestellt; Bandportraits weisen auf die Vielgestaltigkeit örtlicher Kulturszenen hin; in Radiofeatures wird Lokalgeschichte hörbar und lebendig aufbereitet.

Programmuntersuchungen belegen, dass es hauptsächlich kulturelle Beiträge sind, die sich im Bürgerfunk finden. Daneben gehören bunte Themen, Soziales, Gesundheit und Sport zu den Bereichen, die in den Programmen besonders häufig auftreten. Damit erscheint der Bürgerfunk wie ein "elektronischer" Marktplatz, auf dem Anliegen, Bedürfnisse und Vorstellungen seiner Produzenten öffentlich diskutiert werden.



Wer hilft bei der Beitragsproduktion?

Von den 150 Radiowerkstätten, die einmal den Bürgerinnen und Bürgern in NRW Studios und Produktionshilfen zur Verfügung stellten, ist wohl weniger als die Hälfte noch aktiv. Da die LfM nicht mehr die offizielle Anerkennung einer Radiowerkstatt nach strengen Kriterien prüft, liegen ihr keine Zahlen vor. In den Radiowerkstätten können die nach dem neuen Gesetz notwendigen Qualifikationen zur Nutzung des Bürgerfunks erworben werden. Da die gut kalkulierbaren Fördergelder für die Betreuung der Gruppen durch die projektbezogene Förderung ersetzt wurden, haben viele Radiowerkstätten Schwierigkeiten laufende Kosten für Miete oder Personal aufzubringen und haben ihre Arbeit reduziert oder eingestellt.



Wie kommt eine Sendung ins Programm?

In den meisten Sendegebieten präsentieren kontinuierlich produzierende Bürgerfunkgruppen ihre Sendungen auf festen Sendeplätzen. Dieses Verfahren vermittelt dem Hörer gute Orientierung: Er weiß, an welchen Tagen die Themen vorgestellt werden, die ihn besonders interessieren. In dem meisten Gebieten sind die Radiowerkstätten auch für die Organisation des Bürgerfunks zuständig, die sie in Absprache mit dem Lokalradio und den Gruppen gewährleisten.



Wer fördert den Bürgerfunk?

Gefördert wird der Bürgerfunk aus Mitteln der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), die sich wiederum aus dem Rundfunkbeitrag finanziert. Die gesamte Fördersumme wird von der LfM jährlich festgelegt. Eine Sockelförderung für die Radiowerkstätten, in denen die Gruppen betreut und qualifiziert werden, oder eine Förderung der gesendeten Beiträge ist nicht mehr vorgesehen.

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